Vorweggenommene Erbfolge – gewusst wie!

Unter der vorweggenommenen Erbfolge versteht man die lebzeitige Übertragung von Vermögenswerten durch den Verfügenden an die angedachten Erben. Die verfügten Werte müssen dann keiner testamentarischen Regelung zugeführt werden, sondern der Begünstigte erhält die Werte sofort entweder zur kompletten oder zur eingeschränkt freien Verfügung.

Solche Verfügungen können sich aus mehreren Gründen als sinnvoll erweisen:

 

Steuerfreibeträge können beim selben Schenker alle 10 Jahre vollständig in Anspruch genommen und ausgenutzt werden, um so die Steuerlast erheblich zu mindern. Dies ist häufig auch notwendig, da die Steuerlast sonst im Einzelfall derart hoch ausfallen kann, dass sie den Bestand der verfügten Werte gefährdet etwa den Fortbestand eines übergebenen Unternehmens.

Pflichtteilsansprüche können durch eine vorweggenommene Erbfolge ausgeschlossen oder eingeschränkt werden. Dies lässt sich zum einen erreichen, indem der beschenkte Pflichtteilsberechtigte mit der Übergabe seinen Verzicht oder die Anrechnung der übergebenen Werte auf seinen Pflichtteil erklärt. Zum anderen besteht auch die Möglichkeit Werte der Berechnungsgrundlage für den Pflichtteilsanspruch gänzlich oder anteilig durch die vorweggenommene Erbfolge zu entziehen, um unliebsame Pflichtteilsberechtigte mit ihren Ansprüchen möglichst ins leere laufen zu lassen.

Auch kann durch eine vorweggenommene Erbfolge ein Beitrag zur Versorgung der Übergeber im Krankheits- und Pflegefall vertraglich sichergestellt werden kann. Dabei verpflichtet sich der Begünstigte im Bedarfsfall zur Erbringung entsprechender Pflegeleistungen gegenüber dem Übergeber oder Dritten.

Nicht zuletzt dient die vorweggenommene Erbfolge aber auch dem Erhalt des Familienvermögens. Der Begünstigte kann frühzeitig in die Fußstapfen des Übergebers hineinwachsen und Verantwortung übernehmen.

Vor diesem Hintergrund lohnt es sich schon frühzeitig über eine vorweggenommene Erbfolge als Teil einer geordneten Nachfolgeplanung nachzudenken. Bedenken der Übergeber können durch den Vorbehalt von Rückforderungs- und Nutzziehungsrechten begegnet werden. Der Übergang kann kontrolliert und geordnet in die Wege geleitet werden. Letztlich profitieren damit sowohl Übergeber als auch der Begünstigte. Angesichts der komplexen Gesetzeslage und des Bedürfnisses einer individuellen Anpassung der vorstehenden Grundsätze sollte eine vorweggenommene Erbfolge nie ohne Expertenrat erfolgen.